Mittwoch, 5. Februar 2014

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Sonntag, 15. September 2013

Eine erste Leseprobe zu "Ein mörderischer Schatten"


Kapitel 1

 

Antonia tastete blind nach dem Radiowecker auf ihrem Nachttischchen und schlug wild auf die Tasten. Die plötzliche Stille quittierte sie mit einem erleichterten Seufzen. Müde schlug sie die Augen auf. „Was?“ Entsetzt richtete sie sich im Bett auf und ungläubig blinzelte sie, ehe sie noch einmal auf die rot leuchtenden Zahlen auf ihrem Radiowecker starrte. „Oh, nein!“ Hektisch schlug Antonia die Bettdecke zur Seite und hastete aus dem Bett. Auf dem Weg ins Bad hielt sie kurz vor den beiden Zimmern ihrer Kinder inne und riss die Türen auf. „Thea! Simon! Aufstehen, schnell! Ich hab verschlafen.“ Damit hastete sie weiter, die steile, alte Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Am Treppenabsatz stolperte sie und fing sie sich gerade noch, ehe sie der Länge nach auf den Fliesen der geräumigen Diele gelandet wäre. Fluchend tapste sie barfuß ins Badezimmer und wollte sich auf dem Klo niederlassen, als sie gerade noch rechtzeitig das Monster sah. „Ihhhh!“, kreischte Toni angeekelt und flüchtete zurück in die Diele. „Oh Gott!“, stieß sie aus und schüttelte sich vor Ekel. Langsam drehte sie sich wieder um und warf einen vorsichtigen Blick ins Badezimmer. Ihr Blick wanderte zögernd über den weißen Kachelboden, ehe er an der handtellergroßen, schwarzen Kellerspinne hängen blieb. Wieder schüttelte Toni sich angewidert. „Was mach ich denn jetzt?“, murmelte sie vor sich hin. Dies hier war einer der wenigen, äußerst seltenen Augenblicke, in denen sie ihren Ex-Mann vermisste. Der Spinne den Garaus zu machen wäre eine Aufgabe gewesen, die er bestimmt gerade noch hätte bewältigen können, vorausgesetzt, er wäre überhaupt zu Hause gewesen. „Verdammt.“ Antonia fixierte weiterhin wie gebannt das widerliche Geschöpf auf ihrem Fußboden. Sie war kurz davor, den fünfjährigen Simon zu rufen, er solle die Spinne vernichten. Aber der würde sie sicher retten wollen und dann würde die Spinne entwischen und sich in die nächste Ecke verkriechen, um dann irgendwann, wenn Toni nichts Böses ahnte, plötzlich über ihre Beine zu krabbeln oder so etwas. Nein, das kam gar nicht in Frage. Lebewesen hin oder her, es half alles nichts, sie musste das Ding wohl oder übel selbst erledigen. Schnell suchte sie einen dicken Stiefel aus dem Schuhschrank. Eine Sandale war zu unsicher. Würde sie daneben hauen, würde ihr die Mutantenspinne noch über die Hand laufen. Ein schlimmeres Schicksal konnte Toni sich gar nicht vorstellen. Sie holte tief Luft und näherte sich zögernd der Spinne. Im Hinterkopf sah sie den Minutenzeiger ihrer Uhr unaufhörlich voranschreiten, doch auf die Verspätung konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Sollte der achtbeinige Kamerad jetzt verschwinden, hätte sie hier im Haus keine ruhige Minute mehr. Noch einmal holte sie tief Luft, nahm all ihren Mut zusammen, schritt noch näher auf die Spinne zu und konzentrierte sich. Der erste Schlag musste sitzen. Toni holte aus und schlug zu. Angewidert verzog sie das Gesicht. Hatte das Ding geknackt? Zur Sicherheit schlug sie noch ein paar Mal zu, bis sie sich wie eine Psychopatin vorkam und trat dann zurück, um sich ihr Werk anzusehen. Langsam atmete sie aus. Wie sie Spinnen hasste! Mit vier Küchentüchern übereinander entfernte sie die Überreste ihres Opfers, ehe sie sich endlich erschöpft ihrem Geschäft widmen konnte. Duschen saß zeitlich nicht drin, Waschen musste genügen.

„Thea! Simon!“, schrie sie anschließend auf dem Weg vom Badezimmer in die Küche. Als sie keine Antwort bekam, änderte sie den Kurs und rannte wieder die Treppe hoch. „Kinder, aufstehen! Kindergarten, Schule!“ rief sie, während sie dem noch halb schlafenden Simon die Bettdecke wegzog. „Jetzt komm! Wir müssen uns beeilen. Ich hab verschlafen!“ Hektisch sah sie sich im Zimmer ihres Sohnes um und legte ihm die Kleidung zurecht. Als Simon sich langsam in seinem Bett aufsetzte, begab sich Toni in das Zimmer ihrer Tochter, wo sie dieselbe Prozedur wiederholte.

 

„Mama, ich will die Spiderman-Schuhe anziehen!“, grummelte Simon, als er wenig später, gefolgt von seiner Schwester, in die Küche kam. Toni hielt im Schmieren des Butterbrotes inne und sah auf. „Was?“

„Ich will die doofen Cars-Schuhe nicht. Die sind für Babys.“

„Die Cars-Schuhe sind schön. Jetzt mach kein Theater und geh dich waschen, Simon.“

Simon verschränkte die Arme und setzte sich demonstrativ auf den Küchenstuhl.

„Simon!“ Toni warf ihm einen Blick zu, während sie das erste Brot verpackte. „Thea, bist du schon gewaschen? Du siehst nicht so aus“, wandte sie sich an ihre sechsjährige Tochter, während sie eine weitere Scheibe Graubrot auf das Brettchen knallte.

Thea verschwand wieder aus der Küche. „Simon“, sprach Toni dann zu ihrem mittlerweile weinenden Sohn, „Die Spiderman-Schuhe sind Winterstiefel. Dazu ist es jetzt im Mai zu warm. Außerdem passen die gar nicht mehr.“

„Und warum steht dann einer mitten in der Diele?“

Mist, die Spinne! „Das weiß ich auch nicht“, log Toni und verpackte das letzte Pausenbrot. „So, jetzt komm, mach dich fertig. Ich geh mich schnell anziehen. Wenn ich runterkomme, seid ihr fertig!“

 

Habt ihr Mamas Autoschlüssel gesehen?“ Antonia griff zum dritten Male in ihre Jackentasche.

„Mama, guck, die Spiderman-Schuhe passen wohl noch.“

„Was?“ Toni warf einen Blick über die Schulter, während sie unter dem Dielenschränkchen suchte.

„Mama, ich hab ihn“, rief Thea und hielt ihrer Mutter den Schlüssel unter die Nase.

„Gott sei Dank“ Toni grabschte den Schlüssel, riss die zwei Jacken der Kinder vom Kleiderhaken und öffnete die Haustür. „Kommt, Kinder, kommt“, rief sie.

Ihr Blick fiel auf die Schuhe ihres Sohnes, als dieser in den alten Ford Fiesta kletterte. „Du hast ja doch die Stiefel an!“

„Darf ich doch!“

„Durftest du nicht!“, stellte Toni klar und warf ihrem Sohn einen bösen Blick zu, während sie mit seinem Sicherheitsgurt kämpfte.

„Da hast nichts mehr gesagt!“

„Auf jeden Fall musst du sie jetzt anlassen. Wir haben keine Zeit mehr.“ Toni hastete zum Fahrersitz, warf einen Blick in den Rückspiegel, um sich zu vergewissern, dass auch Thea auf ihrem Platz saß und drehte den Zündschlüssel. Das Auto gab einen krächzenden Laut von sich, bevor es still wurde. Ungläubig starrte Toni einen Moment um sich. Das konnte einfach nicht wahr sein. Noch einmal drehte sie den Schlüssel. „Spring an, spring an, spring an“, flehte sie, während das Auto weiter vor sich hin röchelte. „Ja!“, schrie sie, als es endlich ansprang. Mit neuem Mut setzte sie das Auto in Bewegung.

Nachdem sie die Kinder zur Schule und zum Kindergarten gebracht hatte, kam sie mit nur zwanzig Minuten Verspätung auf ihrer Arbeitsstelle an. „Morgen“, rief sie, während sie zügig an der Empfangsdame vorüberschritt. Bei ihrem Vorgesetzten, der sie mit hochgezogenen Brauen und einem demonstrativen Blick auf die Uhr begrüßte, holte sie sich einen Rüffel ab und ging dann, am Ende ihrer Kräfte, in ihr Büro. Für den heutigen Tag bedient, ließ sie sich in ihren Bürostuhl fallen und fuhr ihren Rechner hoch.

„Mahlzeit, Antonia“, begrüßte sie Ralf, ihr Arbeitskollege, mit dem sie sich das Büro teilte. „Gestern wieder zu lange gefeiert?“

Antonia verzog den Mund zu einem gequälten Lächeln. „Sehr witzig.“

„Na, na, da ist aber heute einer mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden.“

Toni atmete schwer aus. Ralf war ein lieber, netter Kerl und seine ständigen Kommentare waren auch ganz witzig, allerdings war Tonis Laune heute nicht die allerbeste. „Was hältst du davon, wenn du dich jetzt über die Papiere beugst, die sich da auf deinem Schreibtisch stapeln und mich in Ruhe meine Arbeit machen lässt?“

„Gute Idee. In der Tat gehört die Hälfte von den Papieren dir. Ich hatte sie mir rüber genommen, weil ich dachte, du wärst heute vielleicht krank“, gab Ralf ihr beleidigt zu verstehen. Dann stand er auf und ließ einen dicken Packen auf ihren Arbeitsplatz fallen.

 

Um sieben nach zwei hastete Toni mit Thea im Schlepptau durch den Kindergarten, um Simon abzuholen. Toni arbeitete halbtags im Büro. Die Betreuung der Kinder endete an Schule und Kindergarten jeweils um punkt zwei. Um diese Uhrzeit endete auch ihre Arbeitszeit. Da Toni viele Begabungen hatte, sich an mehreren Orten gleichzeitig aufzuhalten aber nicht dazu gehörte, musste Thea immer von der Schule zu Fuß zum Kindergarten laufen, um dort vor dem Eingang auf ihre Mutter zu warten.

Im Flur begegnete ihnen Herr Bausch. Er winkte Toni und kam lächelnd auf sie zu. An seiner Hand hing Merle, seine Tochter. Sie war sein kleiner Sonnenschein, wie er nicht müde wurde, jedem zu erzählen. Herr Bausch war alleinerziehend und ging völlig in seiner Aufgabe auf.

„Hallo, Antonia!“, rief er erfreut, als er vor ihr stehenblieb.

Toni riss den Blick von dem bunten Fahrradhelm, der auf seinem Kopf thronte. Damit sah er aus wie ein Ei. Ein bärtiges Ei. „Hallo…“ Wie hieß er nochmal? Wie peinlich! In solchen Fällen musste immer eins ihrer Kinder zur Ablenkung herhalten. „Thea, bleib bitte hier“, ermahnte sie ihre Tochter, die sich keinen Schritt wegbewegt hatte. Für die Unterbrechung mit einem Lächeln um Entschuldigung bittend, wandte sie sich wieder ihrem Gegenüber zu.

 „Die Merle wollte den Simon gerne zu ihrer Geburtstagfeier einladen“, erzählte Herr Bausch.

„Ach, das ist ja schön.“ Toni blickte lächelnd auf Merle hinab. „Wann hast du denn Geburtstag?“

„Morgen“, piepste Merle.

„Wir feiern aber am Mittwoch“, teilte Herr Bausch mit. „Im Indoorspielplatz im Industriegebiet. Weißt du, wo das ist?“

Toni konnte sich gerade noch davon abhalten, das Gesicht zu verziehen. Und ob sie den kannte. Da war sie einmal in ihrem Leben gewesen und dort würde man sie nie wieder sehen. Diese Indoorspielplätze musste jemand erfunden haben, der einen tiefen Hass auf alle Eltern hegte. In den drei Stunden, die Toni sich damals dort mit ihren Sprösslingen aufgehalten hatte, war sie um Jahre gealtert. Der Geräuschpegel war mit nichts zu vergleichen gewesen, was Toni jemals zuvor erlebt hatte. Würde man sich neben die Turbine eines startenden Flugzeuges stellen, kam man der Lautstärke vielleicht nahe. Die Kinder in diesem Indoorspielplatz hatten sich außerdem vermutlich alle in den letzten dreißig Tagen vor ihrem Besuch in besagter Halle nicht mehr bewegt, denn alle rannten und schrien aus Leibeskräften. Sie sprangen ohne Rücksicht auf Verluste von irgendwelchen Türmen, Hüpfburgen oder Klettervorrichtungen und alle zwei Minuten weinte irgendwo in der Masse ein Kind, welches sich verletzt hatte. Toni hatte die ganze Zeit versucht, ihre Kinder in dieser Menge im Auge zu behalten, was sich als unmögliches Unterfangen herausgestellt hatte. Sie war schließlich am Ende ihrer Kräfte nach Hause gefahren. Hinten im Auto befanden sich eine heulende Thea, die sich unglücklicherweise in der Flugbahn eines Jungen befunden hatte, der einen waghalsigen Sprung von einem Kletterleuchtturm gewagt hatte, und einem kotzenden Simon, der nach einer unglaublich teuren Portion Pommes trotz Verbotes mütterlicherseits sofort in der Menge untergetaucht war und sich dann auf einem der riesigen Trampoline körperlich verausgabt hatte. Nein, eher würde sie sich angespitzte Streichhölzer unter ihre Fingernägel rammen, als noch einmal so einen Indoorspielplatz zu betreten.

„Antonia?“

„Ja?“ Aus ihren Gedanken aufgeschreckt, sah sie auf.

„Ich hatte gefragt, ob du weißt, wo das Abenteuerland ist.“

„Ach so, ja. Weiß ich.“ Toni räusperte sich. „Warst du denn auch schon mal da?“

„Ja, was denkst du denn? Merle ist ganz verrückt auf das Abenteuerland. Da waren wir schon zigmal.“

„Nein!“ Mit neuem Respekt sah Toni den Mann vor ihr an. Der musste Nerven aus Stahl haben. „Wie viel Kinder kommen denn?“

„Sechs.“

„Sechs kleine Kinder! Das wird aber bestimmt stressig.“

„Ach, das geht schon. Meine Mutter passt auch mit auf. Das wird schon.“ Lächelnd zwinkerte er ihr zu.

„Ja, dann…“ Gleich würde sie zu Hause erst mal in der Telefonliste nachgucken, wie der Bausch mit Vornamen hieß. „Ich muss jetzt mal endlich den Simon holen.“

„Ja, wir müssen auch los. Wiedersehn.“

„Ja, Tschüss.“

 

Toni fuhr die lange Einfahrt entlang und brachte das Auto neben dem Haus zum Stehen.

„Ich finde das voll gemein, dass ich nicht auch mitkann!“

„Ja, nun, die bist aber nicht eingeladen, Thea“, erwiderte Toni zum wiederholten Male, seit sie den Kindergarten verlassen hatten.

„Dann kannst du doch mit mir gehen.“

„Nein, kann ich nicht!“

„Alle Mütter gehen immer mit ihren Kindern ins Abenteuerland. Nur du nicht“, meckerte Thea, während sie sich losschnallte.

„Ich war mit euch auch schon da.“ Toni zog die Handbremse stärker an als nötig.

„Pah. Einmal!“

„Psst“, rief Toni. War da nicht gerade ein merkwürdiges Geräusch gewesen.

„Du bist gemein!“

„Sei mal leise!“ Toni löste die Handbremse und zog sie wieder an. „Mm, jetzt hör ich nichts.“ Mit einem Achselzucken öffnete sie die Fahrzeugtür und stieg aus.

Sie schloss gerade die Türe zu ihrem kleinen Häuschen auf,  als sie ein röhrendes Motorengeräusch vernahm. Toni sah die lange Einfahrt ihres zurückgelegenen Hauses entlang zur Straße. Sie hatte das kleine Häuschen von ihrer Oma geerbt, und es war ihr ganzer Stolz. Es war das letzte Haus an einer langen Straße. Die Bebauung an dieser Straße wandelte sich von eng nebeneinanderstehenden Einfamilienhäusern zu Häusern mit großzügigen Gärten, bis die Häuser immer spärlicher auf der Straße angesiedelt waren, ehe sich die Straße schließlich in einen Feldweg verwandelte und sich rechts und links des Weges nur noch Äcker befanden. Außer eben, ungefähr hundert Meter im Feld gelegen, ihrem Häuschen und dem Nachbarhaus, dessen Einfahrt sich direkt neben ihrer befand. Darum konnte das laute Dröhnen eigentlich nur einem gehören. Ihrem neuen Nachbarn. Seufzend betrachtete Toni das ehemals gemütliche Nachbarhaus. Bis vor kurzem hatte hier noch Frau Kurz gewohnt. Eine liebe, alte Frau, die mit ihrem Wellensittich friedlich ihre Tage verbracht hatte. Das Vorgärtchen und die Einfahrt waren von Blümchen gesäumt gewesen und die Garage hatte Frau Kurz` Gartengeräte und im Winter ihre Sommerstühle beherbergt. Am Wochenende war sie immer von ihrem gutaussehenden und zudem auch, wenn Toni nach dem dicken Auto urteilte, das er fuhr, gut verdienenden Sohn besucht worden. Doch dies gehörte nun alles der Vergangenheit an, seit Frau Kurz im Winter das Zeitliche gesegnet hatte. Ihr Sohn beschloss daraufhin, das Häuschen zu vermieten. An und für sich keine schlechte Idee, allerdings hätte er bei der Auswahl seines neuen Mieters etwas mehr Sorgfalt walten lassen können.  Besagter Mieter hatte sich vor anderthalb Wochen nebenan eingenistet. Am Einzugstag brachte er jede Menge Kisten und sehr wenige Möbel mit. Als alles im Haus verstaut war, gesellte sich zu seinem Auto, welches in der Einfahrt stand, ein Motorrad. Diverse Reifen, Kisten und Regale folgten und im Vorgarten wurden weitere unidentifizierbare Gegenstände abgeladen. Sogar noch weitere Motorräder, die eigentlich auf den Schrottplatz gehört hätten, hatten sich dazugesellt. Als am Abend plötzlich immer mehr Personen bei ihrem neuen Nachbarn eintrafen, hatte Toni angenommen, sie wären erschienen, um zu helfen, die restlichen Dinge zu verstauen. Doch wie sich herausstellte, hatte sie sich getäuscht, denn seine Gäste waren gekommen, da der neue Mieter eine Einweihungsparty schmiss. Die Feier hatte man bestimmt bis ins Dorf  hören können. Der neue Nachbar konnte sich glücklich schätzen, dass Antonia so eine gutmütige Person war, denn jeder andere hätte die Polizei gerufen. Seine unzähligen Gäste, die sich alle beinahe bis zur Besinnungslosigkeit betranken und sich anschließend in den einstigen Blumenbeeten erleichterten, feierten bis in die frühen Morgenstunden. Am Tag nach besagter Feier wartete Toni darauf, dass ihr neuer Nachbar nun endlich seinen Unrat aus Vorgarten und Einfahrt entfernte. Allerdings musste sie bald erkennen, dass sie einem Irrtum erlegen war, denn es handelte sich bei dem ganzen Krempel, der vor dem Haus gelagert wurde, keineswegs um Unrat, sondern um sein Hab und Gut. Hab und Gut, welches er ganz offensichtlich an Ort und Stelle liegenlassen wollte. Im Laufe der Woche schaffte er es schließlich, einige Regale und Kisten in der Garage zu verstauen, doch seine gammeligen Fahrzeuge, die Reifen und die anderen Dinge, von denen Toni sich nicht vorstellen konnte, welchen Zweck sie wohl erfüllen mochten, blieben in Vorgarten und Einfahrt liegen. Warum dies so war, konnte Toni sich nicht erklären, denn Zeit genug schien ihr Nachbar zu haben. Sein Auto und das Motorrad standen nämlich ständig in der Einfahrt. Da er keiner geregelten Beschäftigung nachzugehen schien, konnte er morgens auch lange schlafen. Das war sein Glück, denn wenn man nach den Bierkästen ging, die er auf der Veranda stapelte, trank er sich jeden Abend besinnungslos. Toni war nicht begeistert gewesen, nun neben einem arbeitslosen Alkoholiker zu wohnen, hatte sich aber wohl oder übel damit abgefunden. Dann, Samstagnachmittag, Toni saß mit dem Kindern im Garten und genoss die Frühlingssonne, kamen die Hells Angels. Zumindest hatte sie das im ersten Moment gedacht. Durch einen ohrenbetäubenden Lärm alarmiert, rannte sie nach vorne zur Einfahrt, als auch schon mehrere Motorräder ihre Einfahrt blockierten. Wenig später fuhr die Gruppe gemeinsam mit Tonis Nachbarn davon und hinterließen eine Staubwolke. Das war vorgestern gewesen und seitdem hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hatte er die vergangenen Tage  in irgendeiner Ausnüchterungszelle verbracht.

Vom nun immer lauter werdenden Motorengeräusch aus ihren Gedanken gerissen, warf Toni einen Blick auf das Motorrad, das zwischen den gestapelten Reifen und dem Garagentor stand. Also machte er heute die Gegend mit seiner peinlichen Amikarre unsicher. Wenig später sah sie ihre Vermutung bestätigt, als sie kopfschüttelnd beobachtete, wie besagtes Auto forsch in die Einfahrt nebenan einbog und dann quietschend zum Stehen kam. Wütend trat Antonia wieder aus ihrem Eingang heraus. Die zwielichtige Gestalt, von der Toni mittlerweile ganz sicher war, dass sie nichts taugte, stieg aus dem Fahrzeug und nickte grüßend zu ihr hinüber.

„Ich würd hier noch schneller fahren!“, rief Toni schlecht gelaunt als Begrüßung.  „ Falls meine Kinder das nächste Mal wider Erwarten rechtzeitig in Deckung springen können, erwischen sie vielleicht ein kleines Reh oder einen Hasen mit ihrem Penisersatz!“

Der Nachbar stutzte, trat dann einen Schritt auf sie zu, nur um doch wieder stehen zu bleiben. Dann kratzte er sich am Kopf. „Ich war wohl etwas zu schnell, was?“

„Ja, das nehm ich ja wohl mal an!“ Mit Entsetzen machte Toni nun die Entdeckung, dass sich Tätowierungen auf den Unterarmen ihres Nachbarn befanden.

„Tut mir leid.“ Der nun zu einem Asozialen runtergestufte trat auf Toni zu und reichte ihr die Hand. „Ich hab mich auch noch gar nicht vorgestellt, obwohl ich schon eine Woche hier wohne.“

Toni ergriff die dargebotene Hand, aber nicht, bevor sie ungläubig auf deren Finger gestarrt hatte. Sie hatte noch nie jemanden getroffen, der tätowierte Finger hatte. Finger! Das kannte sie nur aus amerikanischen Filmen, in denen verfeindete Gangs mit Maschinenpistolen aus Autos in die Vorgärten schossen. Aus runtergekommenen, unförmigen, riesigen Amischlitten. So, wie ihn übrigens auch ihr neuer Nachbar fuhr, wie sie nicht umhin kam, zu bemerken.

 „Mark Fracht“, sagte er nun.

„Äh..“ Am liebsten hätte sie ihm ihren Namen verschwiegen. Man wusste nie, was solche Leute aus der Unterwelt damit für Schindluder trieben. „Antonia Hauser“, brachte sie dann gezwungenermaßen heraus.

„Hauser. Nicht zufällig verwandt mit Jens Hauser?“

„Mein Ex-Mann“, antwortete Toni knapp. Dass Jens, das Arschloch, neuerdings mit Kriminellen verkehrte, sollte sie eigentlich nicht wundern.

„Ah“, erwiderte Fracht verstehend. „Tja, dann noch einen schönen Tag. Und ich werd demnächst vorsichtiger fahren.“

Toni lächelte gezwungen und beobachtete, wie Mark Fracht zurück zu seinem Auto ging, einen Kasten Bier aus seinem Auto hievte und dann im Nachbarhaus verschwand. Den genehmigte er sich bestimmt als Mittagessen.

„Mama! Ich hab Hunger“, drang Theas laute Stimme aus dem Inneren des Hauses.

„Ich komm!“, schrie Toni zurück und ging rein, Mittagessen kochen.

 

Am Abend seufzte Toni wohlig und kuschelte sich tiefer in ihre Couch. Gleich kam ihre Lieblingskrimiserie. Es ging nichts über einen schönen, gemächlichen, englischen Krimi. Darauf freute sie sich jeden Montag. Toni gähnte herzhaft und sah auf die Uhr. 22 Uhr. Hoffentlich schlief sie nicht wieder auf der Couch ein. Oder sollte sie lieber auf den Film verzichten? Ehe sie morgen wieder verschlief. Und hoffentlich sprang das Auto morgen an. Nachdem sie Simon heute Nachmittag zum Fußballtraining und zurück kutschiert hatte, meinte sie, beim Aussteigen einen merkwürdigen Geruch vernommen zu haben. Aber vielleicht stank ja auch die Schleuder des Nachbarn so. Der hatte übrigens den ganzen Nachmittag zu Hause verbracht. Ob der wirklich keiner geregelten Arbeit nachging? Wovon bezahlte er dann die Miete? Das wollte sie gar nicht wissen. Toni schüttelte den Kopf und zwang sich, sich auf den Krimi zu konzentrieren, dessen Anfangsmelodie gerade ertönte.
Gebannt verfolgte Antonia das Geschehen auf dem Bildschirm, als sie meinte, etwas gehört zu haben. Ob eines der Kinder wach geworden war? Toni warf einen Blick auf die Uhr. Zwanzig nach zehn. Vor einer halben Stunde, als sie gucken gegangen war, schliefen beide noch friedlich. Sie griff zur Fernbedienung und schaltete den Ton aus. Da! Ein Poltern ertönte von oben. Dann noch eins. Tonis Herz klopfte plötzlich schneller. Das konnten unmöglich die Kinder sein! Das Rumpeln und Poltern oben ging weiter. Kein Zweifel. Oben war jemand. Und nicht nur einer, dem Getöse nach zu urteilen. Toni schluckte und legte sich eine Hand auf ihren flauen Magen. Oh, lieber Gott. Die Kinder. Toni sprang auf  und rannte in die Küche. Dort

Freitag, 12. Juli 2013

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Mittwoch, 3. Juli 2013

"Ein verhängnisvoller Winter" erscheint in Kürze. Zuvor noch eine weitere Leseprobe

Kapitel 1
 

Niederrhein

 

Josefine setzte ihren Koffer ab und ließ die Schultern hängen. Alles sah genauso aus, wie sie es erwartet hatte. Es roch sogar genauso, wie sie es in Erinnerung hatte, obwohl es schon lange Jahre her war, dass sie zuletzt in einem Stall gearbeitet hatte.  Sie ließ den Blick über die Landschaft schweifen. Sie stand hier inmitten einer kleinen Ansammlung von Gehöften. Josefine starrte auf ein kleines Haus mit Scheune, was man kaum einen Hof nennen konnte. Ein paar Meter weiter begann schon der nächste Hof, dieser war etwas größer. Diese beiden Gebäude trennte eine lange Einfahrt von der Straße. Der nächste Nachbar befand sich in ungefähr 200 Metern Entfernung auf der gegenüberliegenden Seite der Schotterstraße. In alle Richtungen verstreut lagen, jeweils mit mehreren hundert Metern Abstand, noch ein paar weitere Bauernhöfe. Es regnete, es war windig, die Bäume wurden langsam kahl und außer ein paar Kühen sah sie keine Seele. Josefine ließ die Schultern noch etwas tiefer hängen. Ja, genauso hatte sie es sich vorgestellt.

„Josefine!“ Der freudige Ausruf ließ sie zusammenfahren. Dann zwang sie sich zu einem Lächeln und sah auf. „Margot.“ Als ihre Cousine so freudig aus dem kleinen Haus heraus auf sie zugelaufen kam, überkam Josefine das schlechte Gewissen. Es würde schon alles nicht so schlimm werden. Mit Margot hatte sie sich immer gut verstanden und gemeinsam würden sie schon alles meistern.

„Ich bin so froh, dass du gekommen bist“, rief Margot aus, während sie Josefine mit ihrem dicken Bauch umständlich in ihre Arme schloss.

„Ich freu mich auch“, erwiderte Josefine und während sie ihre Cousine vorsichtig an sich drückte, meinte sie es auch so.

 

„Also, Josi, das hier ist dein Schlafzimmer. Meins liegt direkt gegenüber. Du kannst den Koffer abstellen und dir was Trockenes anziehen, dann mach ich dir erst mal was zu essen“, flüsterte Margot wenig später aufgeregt, während sie ihrer Cousine das Haus zeigte.

„Du brauchst mich nicht bewirten, Margot. Ich bin hier um dich zu unterstützen, nicht, um dir noch mehr Arbeit zu machen. Und warum flüsterst du?“

„Psst, nicht so laut. Der Josef hält gerade seinen Mittagschlaf.  Wenn er seinen Schlaf nicht aus hat, ist er noch unerträglicher als sonst“, flüsterte Margot zurück.

„Damit meinst du deinen Schwiegervater?“

„Ja, sein Zimmer ist gleich nebenan. Und durch die vierte Tür hier oben gelangst du direkt auf den Dachboden der nebenanliegenden Scheune. Unten sind nur die Küche, ein kleines Wohnzimmer und die Waschküche. Ein Badezimmer haben wir hier nicht, wir waschen und am Spülstein in der Waschküche. Das Klo ist im Garten. Aber dadurch, dass es so klein ist, hab ich auch weniger zu putzen.“

Josefine nickte resigniert und begann, sich umzuziehen. Dann machte sie sich auf den Weg in die Küche. Verlaufen konnte man sich hier nicht.

„Hier, ich hab dir schon mal was Suppe heiß gemacht.“ Margot stellte den Teller auf den Tisch, warf einen prüfenden Blick zur Treppe und setzte sich. „Isst du nichts?“, fragte Josi, während sie sich setzte.

„Nein, nein, ich hab vorhin schon gegessen.“ Wieder warf sie einen Blick zur Tür.

„Erwartest du jemanden?“ Josefine pustete auf ihren Löffel, ehe sie die wohlriechende Suppe kostete.

„Nein, wieso?“  

Verwundert zuckte Josefine die Achseln, während sie weiter aß. „Du hättest wirklich nicht die Suppe für mich erhitzen müssen, wo du schon gegessen hast. Ist ja nicht so, als hätte ich eine Tagesreise hinter mir. Es sind noch keine 50 Kilometer, die ich heute mit dem Zug zurückgelegt habe.“

„Es ist aber schon Mittag und seit dem Frühstück hast du doch nichts mehr gegessen“, sagte Margot bestimmt.

„Möchtest du noch etwas?“, fragte sie schließlich, als Josefine aufgegessen hatte.

„Nein, danke, aber es war sehr lecker.“

Nach einem weiteren Blick zur Tür begann Margot mit einem erleichterten Seufzen, den Teller abzuräumen.

„Also, was guckst du denn die ganze Zeit zur Türe, Margot?“ fragte Josefine schließlich, nachdem ihre Cousine sich beeilt hatte, alles wieder wegzuräumen.

„Ach, der Josef mag es nicht, wenn man zwischen den Mahlzeiten etwas isst. Und dann auch noch den Herd wieder anschmeißen und so weiter, verstehst du?“

„Ich glaube schon“, erwiderte Josefine langsam. „Wie verstehst du dich denn mit deinem Schwiegervater?“

„Na ja, er ist ein alter Mann.“

„Und was heißt das?“

„Du weißt doch. Alte Leute können ja schon mal schwierig sein.“

„Was hast du gesagt, ich verstehe dich nicht, wenn du drüben am Herd stehst und flüsterst.“

Margot setzte sich wieder an den Tisch. „Ich hab gesagt, er ist schwierig, aber der Mann ist auch schon neunzig.“

„Neunzig! Wie alt war denn dein Mann? So alt ist er mir nie vorgekommen!“

Margot schluckte. „Theo war noch keine fünfunddreißig. Er stammte aus der zweiten Ehe. Der alte Josef wollte unbedingt einen Erben und hat mit fünfzig noch einmal eine viel jüngere Frau geheiratet. Aber Theos Mutter ist im Kindbett gestorben.“ Margot wurde blass und schluckte wieder.

„Margot, entschuldige.“ Josefine ergriff besorgt die Hand ihrer Cousine. „Ich wollt dich mit meinen dummen Fragen nicht traurig machen.“

„Nein, nein, es ist schon gut. Theo ist tot. So ist es nun mal.“ Sie holte zitternd Luft. „Es ist noch etwas anderes.“ Margot entzog Josefine ihre Hand und rieb nervös die Handflächen gegeneinander. „Der Doktor hat gesagt, das Kind wäre viel zu groß für mich, wo ich so klein bin und so schmal gebaut.  Und gedreht hat es sich auch noch nicht.“ Hilflos sah sie Josefine an. „Er sagt, dass Kind muss mit Kaiserschnitt geholt werden.“

„Oh, Margot.“ Josefine wusste nicht, was sie Tröstendes sagen sollte. An Margots Stelle hätte sie auch Angst. Allein der Gedanke, den ganzen Bauch von oben bis unten aufgeschnitten zu bekommen! Die Ärmste.

„Nun ja“, stieß Margot schließlich tapfer aus, „es wird schon gut gehen.“

„Aber natürlich!“, versicherte ihre Cousine schnell. „Du darfst dich nur nicht mehr so anstrengen, Margot. Schluss mit kochen und den alten Mann versorgen, das mach ich jetzt.“

„Da hat der Josef auch noch ein Wörtchen mitzureden, glaub mir.“

„Du lässt dir von einem Greis, der dich laut Mama und Tante Uschi dauernd triezt, vorschreiben, was du zu tun und zu lassen hast!  Ich versteh nicht, warum du so auf der Hut vor ihm zu sein scheinst. Der kann doch wohl nicht mehr viel ausrichten.“

„Hast du eine Ahnung! Der ist unverwüstlich. Bis vor zwei Monaten ist der noch jede Woche die acht Kilometer nach Fischeln gelaufen, seinen Bruder besuchen. Ob du es glaubst oder nicht.“

„Und was hat er jetzt?“

„Er hat sich eine Erkältung geholt und die hat ihn ganz schön niedergestreckt. Hat wochenlang im Bett gelegen und konnte nicht mal aufs Klo gehen. Aber seit ein paar Tagen ist er wieder auf den Beinen. Der Mann überlebt uns alle.“

„Auf jeden Fall wirst du dich jetzt erst mal ausruhen und dich schonen. Ich werd schon alles hinbekommen, deshalb bin ich ja schließlich hier.“

Margot wollte gerade etwas erwidern, doch Geräusche auf der Treppe ließen sie vergessen, was sie sagen wollte. „Da kommt er“, seufzte sie stattdessen.

Josefine drehte sich um und stand auf, als sie die dünne, gebeugte Gestalt auf sich zukommen sah, die sich schwer auf einen Stock stützte.

„Vater, du bist schon wach?“ Margot trat auf ihren Schwiegervater zu. „Sieh mal! Wir haben Besuch. Meine Cousine Josefine ist gekommen, um zu helfen.“

Josef winkte seine Schwiegertochter mit der Hand beiseite, als diese ihn stützen wollte. „Ich bin sehr wohl in der Lage, alleine zu stehen“, krächzte er und sah die andere Frau in seiner Küche an. „So, eine Cousine. Und was will die hier?“

Josefine trat auf  den alten Mann zu und streckte ihm die Hand entgegen. „Guten Tag, Herr Fagel. Ich bin Josefine Ingermann.“

„Sie wird eine Weile bei uns bleiben, Vater, um mich zu unterstützen. Hast du nicht zugehört?“, warf Margot nervös ein. „ Sie ist hier, um zu helfen“, betonte sie noch einmal, als Josef  die ausgestreckte Hand ignorierte. „Ist das nicht nett?“

„Nett? Das könnte dir so passen, dass du jetzt schon deine Sippschaft hierher holst. Noch ist das hier mein Hof. Hast wohl gedacht, mit dem Alten geht’s zu Ende und hast schon mal alle eingeladen, was? Wann kommt denn der Rest deiner Verwandtschaft?“

„Aber was redest du denn da? Die Josefine kommt, weil ich die ganze Arbeit nicht mehr alleine schaffe.“

„Die ist gekommen, weil die im Kohlenpott nicht genug zu fressen haben. Aber eins sag ich dir“, wandte er sich schließlich an Josefine, während er ihre magere Gestalt von oben bis unten musterte, „glaub ja nicht, dass du dich hier durchfuttern kannst! Hier gibt es nichts im Überfluss und fürs Nichtstun schon mal gar nicht.“  Er drehte sich langsam wieder um und schlurfte zur Tür. Dann sah er noch einmal zurück und richtete das Wort an seine Schwiegertochter. „Sieh zu, dass du nicht noch länger hier gemütlich in der Küche rumschwatzt. Nicht genug, dass du zu faul bist, deine Arbeit zu machen, jetzt hast du dir zum Rumgammeln auch noch Gesellschaft geholt. Wehe, ich seh euch nicht vernünftig arbeiten, dann ist die schneller wieder hier verschwunden, als du gucken kannst.“ Damit schlurfte er endgültig aus der Küche.

Mit hochrotem Gesicht sah Josefine ihre Cousine an. „Von allen…, so ein…“ Sie öffnete wieder den Mund, doch schloss ihn direkt wieder. Dies gehörte zu den wenigen Momenten, wo es ihr die Sprache verschlagen hatte.

 

„Möchtest du meinem Bruder keine Tasse Kaffee anbieten, oder was?“

Herausfordernd sah Anton seine unscheinbare Frau an.

„Lass gut sein, Toni“, murmelte Richard. „Sie ist doch grade mit dem Kind beschäftigt.“

„Beschäftigt, dass ich nicht lache. Sieh dich doch mal um. Hier sieht es schon wieder aus wie bei Hempels. Ich frag mich, was die den ganzen Tag macht, wenn ich arbeiten bin. Außerdem hat sie auch noch ihre Mutter hier, die ihr helfen kann.“

„Ich denk, die Anneliese kann nicht richtig helfen, wegen ihrem kranken Bein?“

„Die ist nicht krank, die humpelt ein bisschen. Die zieht sich nur an dieser Lappalie hoch, damit sie nicht so viel arbeiten muss. Genauso faul wie die Tochter.“

„Lass die Mama in Ruhe.“ Lisbeth sah wütend ihren Mann an. „Sie hat sich gestern überanstrengt und hat jetzt Schmerzen mit jedem Schritt, den sie tut. Und sie arbeitet mehr als du!“

Toni umfasste vor Wut seine leere Kaffeetasse fester und schickte sich an, sich zu erheben, schien dann aber zu dem Schluss zu kommen, dass es diese Anstrengung nicht wert war. Er lehnte sich wieder auf seinem Stuhl zurück und sah seine Frau an. „Aber mit auf die Blagen aufpassen, das kann sie ja wohl, wenn schon sonst nichts anderes. Dann kommst du vielleicht auch mal dazu, hier zu putzen. Mein Bruder muss ja denken, ich hätte eine Schlampe geheiratet.“

Mit zusammengekniffenen Lippen sah Lisbeth ihren Schwager an. „Tut mir leid, Richard, dass es heute hier so aussieht. Die Zwillinge hatten beide die letzten Tage Fieber und der Heinz kriegt bestimmt Zähne. Ich-.“

„Ist doch schon gut, Lisbeth“, beeilte Richard sich zu versichern. „Mich stört es nicht, wie es hier aussieht. Wie geht es den Kindern denn?“

„Seit gestern geht es besser. Das Fieber ist weg. Gott sei Dank.“ Lisbeth setzte den sieben Monate alten Heinz auf den Küchenboden und goss ihrem Schwager eine Tasse Kaffee ein. Wortlos stellte sie diese auf den Tisch und füllte auch die Tasse ihres Mannes wieder auf. Dann nahm sie Heinz wieder auf den Arm und verschwand aus der Küche.

„Hat sie das blaue Auge von dir?“, fragte Richard, nachdem er vorsichtig einen Schluck getrunken hatte.

„Von wem denn sonst?“

„Ich kann mich erinnern, dass es eine Zeit gab, da hast du es gar nicht gut gefunden, wenn eine Frau geschlagen wurde.“

„Ja, da war ich auch noch klein und wusste nicht, dass manche Frauen es verdient haben, ab und zu eine Tracht Prügel zu kassieren.“

Als sein Bruder nur die Augenbrauen hochzog, wurde Toni wirklich wütend. „Was hätte Papa denn tun sollen? Einfach ignorieren, dass unsere Mutter ihm bei jeder Gelegenheit Hörner aufgesetzt hat? Die Schlampe!“

„Willst du damit sagen, dass die Elisabeth sich mit anderen Kerlen einlässt?“, fragte Richard ungläubig.

„Was? Bist du verrückt? Meinst du, dann wäre sie noch dazu in der Lage gewesen, uns Kaffee zu kochen?“ Als sein Bruder ihn nur weiterhin schweigend ansah, fuhr er seufzend fort. „Ach, ich weiß auch nicht. Ich hatte gestern sowieso schlechte Laune, als ich aus der Kneipe kam, da hab ich es nicht nötig, mir auch noch das Gezeter und Gejammer meiner Alten anhören zu müssen, wenn ich nach Hause komm. Noch kann ich nach einem Tag harter Arbeit so viel und so lange feiern, wie ich Lust dazu habe.“

„Na ja, ist ja nicht das erste Mal, dass sie sich von dir eine einfängt. Meinst du nicht-.“

„Das dich das einen Dreck angeht? Doch, das mein ich. Besorg dir gefälligst selber eine Frau und hör auf, dir um meine Gedanken zu machen. Ich frag mich sowieso, warum du hier noch rumlungerst und nicht schon nach nebenan gerannt bist. Oder meinst du, ich weiß nicht, warum du hier bist?“ Verschlagen sah Toni seinen Bruder an.

„Ich weiß nicht, wovon du redest. Ich bin hier, um dich zu besuchen. Bist du wiedermal besoffen?“

„Komm, ich weiß doch, dass du scharf auf die Margot bist.“

Richard verschluckte sich an seinem Kaffee. „Bist du verrückt?“ Ungläubig starrte er seinen Bruder an. Eigentlich war er öfters hier, weil sein Bruder vernünftigen Kaffee hatte und es hier immer was Gescheites zu essen gab. Und weil dies hier, abgesehen von seinem Vater, seine einzige Familie war.

„Wer spaziert denn jedes Mal, sobald er hier ist, nach nebenan und stattet dem Fagelhof einen Besuch ab?“

„Das hab ich immer schon getan. Du weißt doch, dass der Theo mein bester Freund war.“

„Der liegt jetzt aber schon monatelang unter der Erde.“

„Ich konnte die Margot immer schon gut leiden und sie tut mir eben leid.

Ich geh einfach nur hin und frag, ob ich irgendwas tun kann, um zu helfen. Sie hat es ja schließlich nicht leicht bei dem alten Tyrannen da.“

„Ha, ha, ich lach mich tot. Richard, der barmherzige Samariter. Wann hast du je etwas aus Nächstenliebe getan?“

„Ich geh einfach nur für ein paar Minuten rüber und seh nach, ob sie irgendetwas brauchen. Das bin ich meinem Freund schuldig, dass ich ein bisschen auf seine Frau achte.“

Mit einem dreckigen Lachen klopfte Toni seinem Bruder auf den Rücken. „Das hast du jetzt aber schön gesagt. Ja, dann will ich dich jetzt nicht weiter aufhalten, geh du nur rüber und geb ein bisschen acht auf die Margot. Wenn die nicht einen Braten in der Röhre hätt und kurz vorm Werfen stünde, würd ich selber mal sehen, ob ich der nicht zur Hand gehen kann. “

Richard ließ seinen Bruder lachen und trank kopfschüttelnd seinen Kaffee aus.


Mittwoch, 12. Juni 2013

Ich freue mich über einen Bericht in den Willicher Nachrichten vom 12.06.2013.

Donnerstag, 18. April 2013

Hier eine Leseprobe zu meinem neuen Roman "Ein verhängnisvoller Winter", der im Juni veröffentlicht wird.


Prolog

 

 

Essen 1949

 

Das schreckliche Heulen der Sirenen riss Josefine aus ihrem Schlaf. Mit klopfendem Herzen setzte sie sich auf  und versuchte, im Dunkeln irgendetwas zu erkennen.Sie hatte ein flaues Gefühl im Bauch, wie immer, wenn sie dieses furchtbare Geräusch hörte, denn sie wusste nur zu gut, was es bedeutete. Fliegeralarm! Warum hatte Mama sie nicht geweckt? Schon hörte man das Dröhnen der Bomber. Sie würden es nicht mehr bis zum großen Bunker ein paar Straßen weiter schaffen. Jetzt mussten sie in dem kleinen, selbstgebauten Bunker in ihrem Garten Zuflucht suchen. „Irene!“, rief Josefine, während sie aufsprang, „schnell, steh auf!“ Als sie keine Regung vernahm, starrte sie angestrengt durch das Dunkel auf das Bett auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers. Nichts rührte sich. „Irene! Wach auf!“, schrie Josefine durch das heulen der Sirenen, das Dröhnen der Flieger und das laute Getöse der Flak. Sie wollte gerade zum Bett ihrer Schwester eilen, als ein ohrenbetäubendes Krachen das ganze Haus zum Erbeben brachte. Josefine schrie entsetzt auf und rollte sich zu einer Kugel zusammen, als das Fenster über dem Bett ihrer Schwester zersplitterte. Sie schrie noch einmal verzweifelt auf. Eine Bombe hatte das Haus getroffen, jetzt würden alle sterben. Ihr Haus würde dem Erdboden gleichgemacht, wie so viele andere in der Stadt auch. Josefine kniff die Augen zusammen. Morgen würde hier nur noch ein Haufen Trümmer liegen, und wenn ihre Freundin Rosemarie dann vorbei kam, um sie, Josefine, abzuholen, dann würde sie auf die Stelle starren, wo gestern noch ein Haus gestanden hatte und würde traurig feststellen, dass wieder eine ihrer Freundinnen dem Krieg zum Opfer gefallen war. Josefine wimmerte und wartete auf das Ende. Wo war nur der Rest ihrer Familie. Warum war keiner hier? Sie hätten sie doch nicht zurückgelassen. Verzweifelt kniff sie die Augen zusammen und wartete auf das Zerbersten des Hauses. Doch das Haus stürzte nicht über ihr zusammen, sie roch nur das Feuer und den Rauch. Langsam sah sie vorsichtig auf und ängstlich warf sie einen Blick auf das Bett ihrer Schwester. Es war übersät mit Scherben und Trümmern des Fensterrahmens. Sie flackerten im rötlichen Schein der Flammen, die draußen wüteten. Ansonsten war das Bett leer. Josefine atmete auf. Irene hatte nicht in ihrem Bett gelegen. Josefine blickte auf das zertrümmerte Fenster. Etwas hing darin fest. Langsam erhob sie sich und zögernd schritt sie zum Fenster hinüber. Was war das? Vorsichtig kletterte sie über die Trümmer auf dem Bett ihrer Schwester. „Mein Gott“, stieß sie aus. Dieses Etwas war ein Mensch! Der Arm hing halb in ihrem Fenster, als wolle er hineinklettern. „Sind sie schwer verletzt?“ Josefine griff nach der Hand des Mannes und zog, doch sie fiel zurück in die Scherben auf dem Bett. Entsetzt sah sie auf den abgerissenen Arm eines Piloten, der vor ihrem Haus abgeschossen worden war. Josefine ließ die Hand los und schrie. Sie rannte blind hinaus in die Nacht und schrie immer noch. Wann würde das alles jemals aufhören?

Schwer atmend und nassgeschwitzt fuhr sie aus dem Schlaf hoch. Auch nach Jahren machten ihr diese Träume zu schaffen. Seufzend stand sie auf und machte sich fertig für den kommenden Tag.

 

Gutgelaunt trug Josefine die Kohlen aus dem Keller. Gleich würde sie sich mit ihrer Freundin Rosemarie treffen und heute Abend würden sie zusammen mit ein paar anderen zum Tanzen gehen. Rosies Bruder würde auch kommen und den fand Josefine mehr als nett. Hätte sie jetzt nur noch die schönen neuen Schuhe, die sie neulich im Schaufenster bewundert hatte, dann wäre alles perfekt. „Tag, Tante Uschi“, ließ Josefine fröhlich verlauten, als sie die Küche betrat. Ihre Mutter saß mit deren Schwester am Essenstisch.

„Tag, Josi“, schniefte Uschi, während sie sich die Nase putzte. Josefine warf ihrer Mutter einen fragenden Blick zu. Helene Ingermann wedelte ihrer Tochter zur Antwort mit einem Brief zu. „Josefine, ich muss mit dir reden“, sagte sie ernst.

Beunruhigt ließ Josefine sich ebenfalls auf einem Stuhl nieder. „Was ist denn los?“

Ihre Mutter legte den Brief vor sich auf den Tisch. „Der Margot geht es gar nicht gut.“

Josefine warf ihrer Tante einen mitfühlenden Blick zu. „Macht ihr die Schwangerschaft so zu schaffen, Tante?“ Ihre Cousine hatte noch während des Krieges einen Soldatenfreund ihres Bruders geheiratet und wohnte jetzt irgendwo in der Einöde. Ihr Mann war vor ein paar Monaten gestorben, irgendetwas hatte er damals aus Russland mitgebracht, auf jedenfall war er, seit er aus dem Krieg heimgekehrt war, immer bei schlechter Gesundheit gewesen und hatte es mit der Lunge gehabt. Jetzt saß die arme Margot hochschwanger alleine auf einem Hof im Nirgendwo fest. Kein Wunder, dass es ihr schlecht ging.

Helene befeuchtete sich nervös die Lippen. Josefine zog die Augenbrauen hoch. Dass ihre Mutter  so rumdruckste, sah ihr gar nicht ähnlich. „Nun, Josefine“, begann sie schließlich, „die Sache ist die…“, wieder suchte sie nach den richtigen Worten. „Die Tante Uschi und ich, wir haben uns jetzt den ganzen Morgen Gedanken gemacht. Du weißt ja, dass die arme Margot hochschwanger ist. Und sie sitzt da ganz alleine mit ihrem alten Schwiegervater auf dem Hof fest.“ Ihre Mutter warf Josefine einen Blick zu, ehe sie fortfuhr. „Jetzt ist es so, dass der alte Josef, so heißt der Schwiegervater, dass dieser auch krank ist. Bisher hat die Margot ja noch alles mit ihm gemeinsam geregelt bekommen, aber jetzt ist der Alte krank geworden und das Kind kommt bald.“ Helene schob ihrer Tochter den Brief zu. „Lies einmal, wie verzweifelt sie ist.“

Unter dem wässrigen Blick ihrer Tante las Josefine den Brief ihrer Cousine. „Die Ärmste“, ließ sie schließlich verlauten, als sie den Brief gelesen hatte.

„Ja, nicht wahr? Und darum haben wir uns überlegt, dass es eine gute Idee wäre, dich zu ihrer Unterstützung aufs Land zu schicken“, platzte Helene schließlich heraus.

„Was?“ Entsetzt sprang Josefine auf.

„Jetzt mach nicht so eine Schau! Setz dich gefälligst wieder hin.“

„Aber Mama, das kann doch nicht dein ernst sein!“

„Wir haben uns das alles gut überlegt und du bist nun mal die Einzige, die melken kann und was von der Landarbeit versteht.“

„Als wenn es nicht schon schlimm genug war, dass ich in der Kinderlandverschickung auf einem Bauernhof gelandet bin und von morgens bis abends nur arbeiten musste, während die anderen Kinder spielen konnten, jetzt muss ich deshalb auch noch büßen und diese verhasste Arbeit noch mal machen?“, haderte Josefine mit ihrem Schicksal.

„Was bist du doch ungefällig. Schämst du dich nicht? Du bist die einzige, die der Margot helfen kann und du weigerst dich, weil du keine Lust hast?“ Empört sah Tante Uschi sie an. Dann brach sie wieder in Tränen aus. „Das hätt ich nicht von dir gedacht, Josefine, wo du dich doch immer so gut mit der Margot verstanden hast.“

„Außerdem kannst du uns dann auch am Wochenende besuchen und kannst Kartoffeln und Gemüse und Eier und alles mitbringen. Die Margot war ja schon ewig nicht mehr hier, weil sie keine Zeit hatte, uns zu besuchen.“

„Aber Mama, so dringend brauchen wir die Lebensmittel doch auch nicht. Es ist ja nicht so, dass wir wie damals schimmeliges Brot essen müssen. Und die haben auf dem Land auch nicht genug zu essen. Die Margot hat immer erzählt, das bisschen, was sie mitgebracht hat, hätte sie heimlich bei Seite schaffen müssen, weil es bei denen auch schlecht aussieht.“

Als ihre Mutter sie nur böse ansah, traten auch Josefine Tränen in die Augen. Aber es waren Tränen der Verzweiflung. Wie konnte sie sich weigern? Sie war nun mal die Einzige, die jemals die Arbeit auf einem Hof  verrichtet hatte. Außerdem hatte sie zur Zeit keine Arbeitsstelle, denn sie hatte  ihre Stelle als Putzmacherin verloren, da die alte Frau, für die sie gearbeitet hatte, den Laden dicht gemacht hatte.

Aber gerade hatte sie angefangen, wieder etwas Freude zu empfinden. Nach den langen Kriegsjahren und der harten Zeit danach, fing das Leben gerade wieder an, mehr als nur erträglich zu werden. Die Erinnerungen und die Verluste, die sie erlitten hatten, machten ihr immer noch zu schaffen, aber sie hatte Freude mit ihren Freundinnen und man konnte auch mal an etwas anderes denken, als nur zu überleben.

Sie sah ihre Mutter und ihre Tante an. Ihre Tante hatte ihren Mann verloren und war alleine mit den kleineren Kindern. Josefine hatte nicht nur ihren Lieblingsbruder verloren, ihre Mutter hatte damit auch einen Sohn verloren, er war in Russland verschollen. Josefine sah sich in der alten Küche ihrer Wohnung um, die ihre Eltern und Geschwister sich mit ihrer Tante und deren Kindern teilten. Sie hatten nur noch drei Räume, die sie bewohnen konnten, denn der Rest des Hauses war unbewohnbar, da ein Teil des Hauses zerbombt war. Sie konnten froh sein, dass das Haus nicht komplett zusammengefallen war, sondern nur zur Hälfte. Aber vielleicht tat es das ja noch irgendwann.

Nein, wie konnte sie sich weigern, zu helfen. Sie war nicht die Einzige, die es schwer hatte, nur eine von Millionen. „Also gut“, seufzte sie schweren Herzens, „wann soll ich fahren?“

Freitag, 5. April 2013

Leserunde bei Lovelybooks

Gestern hat die Bewerbungsfrist für meine Leserunde auf Lovelybooks begonnen. Zu gewinnen gibt es eine von 15 ebook-Versionen von "Ein schicksalhafter Sommer".
Die Gewinner bekommen per email eine Ausgabe zugeschickt.

http://www.lovelybooks.de/autor/Daniela-Frenken/Ein-schicksalhafter-Sommer-1004205354-w/leserunde/1036320776/