Freitag, 1. Februar 2013

Hier noch eine weitere kleine Leseprobe aus "Ein schicksalhafter Sommer"


 Katrin schüttelte es vor Entsetzen. Mit klopfendem Herzen beobachtete sie, wie der Mann und sein Opfer aus ihrem kleinen Sichtfeld verschwanden. Sie drückte sich wieder beide Hände vor den Mund, um ihr Schluchzen zu unterdrücken. Wo war er jetzt? Er konnte überall sein. Er konnte sogar direkt neben dem Häuschen stehen. Sie presste die Wange an die Klotür und versuchte, durch die kleine Öffnung noch etwas weiter nach links gucken zu können. Doch vergeblich. Außerdem war es jetzt wieder pechschwarze Nacht draußen. War er in den Stall gegangen? Konnte sie es bis zum Haus schaffen, ohne dass er es bemerkte? Oder hatte die Gestalt ihr Schluchzen gehört und wartete nur darauf, dass sie herauskam?

Katrin spürte, dass die Angst sie zu überwältigen drohte. Sie kniff die Augen zusammen und mahnte sich selbst, ruhiger zu atmen. Sie musste hier raus, ehe sie durchdrehte oder der Mann sie packte.

Mit zitternden Fingern schob sie unendlich langsam die Tür einen winzigen Spalt auf. Jeden Moment erwartete sie, dass sie ihr plötzlich aus der Hand gerissen wurde. Vorsichtig lugte sie nach links. Dort befand sich der Stall in einigen Metern Entfernung. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit und so konnte sie wenigstens wieder einige Umrisse erkennen. Sie konnte es nicht mit Gewissheit sagen, aber sie meinte, dort niemanden auszumachen.

Ihr Blick wanderte langsam weiter über den Hof, an der Scheune vorbei, bis zum Anbau auf der gegenüberliegenden Seite. Er war verschwunden. Ob er in den Stall gegangen war? Noch einmal ließ sie ihren Blick über den Hof wandern. Vielleicht stand er doch irgendwo an der Stallwand. In der Dunkelheit konnte sie nicht jeden Umriss genau erkennen.

Katrin verharrte einen Moment reglos, unschlüssig, was sie jetzt tun sollte.