Donnerstag, 18. April 2013

Hier eine Leseprobe zu meinem neuen Roman "Ein verhängnisvoller Winter", der im Juni veröffentlicht wird.


Prolog

 

 

Essen 1949

 

Das schreckliche Heulen der Sirenen riss Josefine aus ihrem Schlaf. Mit klopfendem Herzen setzte sie sich auf  und versuchte, im Dunkeln irgendetwas zu erkennen.Sie hatte ein flaues Gefühl im Bauch, wie immer, wenn sie dieses furchtbare Geräusch hörte, denn sie wusste nur zu gut, was es bedeutete. Fliegeralarm! Warum hatte Mama sie nicht geweckt? Schon hörte man das Dröhnen der Bomber. Sie würden es nicht mehr bis zum großen Bunker ein paar Straßen weiter schaffen. Jetzt mussten sie in dem kleinen, selbstgebauten Bunker in ihrem Garten Zuflucht suchen. „Irene!“, rief Josefine, während sie aufsprang, „schnell, steh auf!“ Als sie keine Regung vernahm, starrte sie angestrengt durch das Dunkel auf das Bett auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers. Nichts rührte sich. „Irene! Wach auf!“, schrie Josefine durch das heulen der Sirenen, das Dröhnen der Flieger und das laute Getöse der Flak. Sie wollte gerade zum Bett ihrer Schwester eilen, als ein ohrenbetäubendes Krachen das ganze Haus zum Erbeben brachte. Josefine schrie entsetzt auf und rollte sich zu einer Kugel zusammen, als das Fenster über dem Bett ihrer Schwester zersplitterte. Sie schrie noch einmal verzweifelt auf. Eine Bombe hatte das Haus getroffen, jetzt würden alle sterben. Ihr Haus würde dem Erdboden gleichgemacht, wie so viele andere in der Stadt auch. Josefine kniff die Augen zusammen. Morgen würde hier nur noch ein Haufen Trümmer liegen, und wenn ihre Freundin Rosemarie dann vorbei kam, um sie, Josefine, abzuholen, dann würde sie auf die Stelle starren, wo gestern noch ein Haus gestanden hatte und würde traurig feststellen, dass wieder eine ihrer Freundinnen dem Krieg zum Opfer gefallen war. Josefine wimmerte und wartete auf das Ende. Wo war nur der Rest ihrer Familie. Warum war keiner hier? Sie hätten sie doch nicht zurückgelassen. Verzweifelt kniff sie die Augen zusammen und wartete auf das Zerbersten des Hauses. Doch das Haus stürzte nicht über ihr zusammen, sie roch nur das Feuer und den Rauch. Langsam sah sie vorsichtig auf und ängstlich warf sie einen Blick auf das Bett ihrer Schwester. Es war übersät mit Scherben und Trümmern des Fensterrahmens. Sie flackerten im rötlichen Schein der Flammen, die draußen wüteten. Ansonsten war das Bett leer. Josefine atmete auf. Irene hatte nicht in ihrem Bett gelegen. Josefine blickte auf das zertrümmerte Fenster. Etwas hing darin fest. Langsam erhob sie sich und zögernd schritt sie zum Fenster hinüber. Was war das? Vorsichtig kletterte sie über die Trümmer auf dem Bett ihrer Schwester. „Mein Gott“, stieß sie aus. Dieses Etwas war ein Mensch! Der Arm hing halb in ihrem Fenster, als wolle er hineinklettern. „Sind sie schwer verletzt?“ Josefine griff nach der Hand des Mannes und zog, doch sie fiel zurück in die Scherben auf dem Bett. Entsetzt sah sie auf den abgerissenen Arm eines Piloten, der vor ihrem Haus abgeschossen worden war. Josefine ließ die Hand los und schrie. Sie rannte blind hinaus in die Nacht und schrie immer noch. Wann würde das alles jemals aufhören?

Schwer atmend und nassgeschwitzt fuhr sie aus dem Schlaf hoch. Auch nach Jahren machten ihr diese Träume zu schaffen. Seufzend stand sie auf und machte sich fertig für den kommenden Tag.

 

Gutgelaunt trug Josefine die Kohlen aus dem Keller. Gleich würde sie sich mit ihrer Freundin Rosemarie treffen und heute Abend würden sie zusammen mit ein paar anderen zum Tanzen gehen. Rosies Bruder würde auch kommen und den fand Josefine mehr als nett. Hätte sie jetzt nur noch die schönen neuen Schuhe, die sie neulich im Schaufenster bewundert hatte, dann wäre alles perfekt. „Tag, Tante Uschi“, ließ Josefine fröhlich verlauten, als sie die Küche betrat. Ihre Mutter saß mit deren Schwester am Essenstisch.

„Tag, Josi“, schniefte Uschi, während sie sich die Nase putzte. Josefine warf ihrer Mutter einen fragenden Blick zu. Helene Ingermann wedelte ihrer Tochter zur Antwort mit einem Brief zu. „Josefine, ich muss mit dir reden“, sagte sie ernst.

Beunruhigt ließ Josefine sich ebenfalls auf einem Stuhl nieder. „Was ist denn los?“

Ihre Mutter legte den Brief vor sich auf den Tisch. „Der Margot geht es gar nicht gut.“

Josefine warf ihrer Tante einen mitfühlenden Blick zu. „Macht ihr die Schwangerschaft so zu schaffen, Tante?“ Ihre Cousine hatte noch während des Krieges einen Soldatenfreund ihres Bruders geheiratet und wohnte jetzt irgendwo in der Einöde. Ihr Mann war vor ein paar Monaten gestorben, irgendetwas hatte er damals aus Russland mitgebracht, auf jedenfall war er, seit er aus dem Krieg heimgekehrt war, immer bei schlechter Gesundheit gewesen und hatte es mit der Lunge gehabt. Jetzt saß die arme Margot hochschwanger alleine auf einem Hof im Nirgendwo fest. Kein Wunder, dass es ihr schlecht ging.

Helene befeuchtete sich nervös die Lippen. Josefine zog die Augenbrauen hoch. Dass ihre Mutter  so rumdruckste, sah ihr gar nicht ähnlich. „Nun, Josefine“, begann sie schließlich, „die Sache ist die…“, wieder suchte sie nach den richtigen Worten. „Die Tante Uschi und ich, wir haben uns jetzt den ganzen Morgen Gedanken gemacht. Du weißt ja, dass die arme Margot hochschwanger ist. Und sie sitzt da ganz alleine mit ihrem alten Schwiegervater auf dem Hof fest.“ Ihre Mutter warf Josefine einen Blick zu, ehe sie fortfuhr. „Jetzt ist es so, dass der alte Josef, so heißt der Schwiegervater, dass dieser auch krank ist. Bisher hat die Margot ja noch alles mit ihm gemeinsam geregelt bekommen, aber jetzt ist der Alte krank geworden und das Kind kommt bald.“ Helene schob ihrer Tochter den Brief zu. „Lies einmal, wie verzweifelt sie ist.“

Unter dem wässrigen Blick ihrer Tante las Josefine den Brief ihrer Cousine. „Die Ärmste“, ließ sie schließlich verlauten, als sie den Brief gelesen hatte.

„Ja, nicht wahr? Und darum haben wir uns überlegt, dass es eine gute Idee wäre, dich zu ihrer Unterstützung aufs Land zu schicken“, platzte Helene schließlich heraus.

„Was?“ Entsetzt sprang Josefine auf.

„Jetzt mach nicht so eine Schau! Setz dich gefälligst wieder hin.“

„Aber Mama, das kann doch nicht dein ernst sein!“

„Wir haben uns das alles gut überlegt und du bist nun mal die Einzige, die melken kann und was von der Landarbeit versteht.“

„Als wenn es nicht schon schlimm genug war, dass ich in der Kinderlandverschickung auf einem Bauernhof gelandet bin und von morgens bis abends nur arbeiten musste, während die anderen Kinder spielen konnten, jetzt muss ich deshalb auch noch büßen und diese verhasste Arbeit noch mal machen?“, haderte Josefine mit ihrem Schicksal.

„Was bist du doch ungefällig. Schämst du dich nicht? Du bist die einzige, die der Margot helfen kann und du weigerst dich, weil du keine Lust hast?“ Empört sah Tante Uschi sie an. Dann brach sie wieder in Tränen aus. „Das hätt ich nicht von dir gedacht, Josefine, wo du dich doch immer so gut mit der Margot verstanden hast.“

„Außerdem kannst du uns dann auch am Wochenende besuchen und kannst Kartoffeln und Gemüse und Eier und alles mitbringen. Die Margot war ja schon ewig nicht mehr hier, weil sie keine Zeit hatte, uns zu besuchen.“

„Aber Mama, so dringend brauchen wir die Lebensmittel doch auch nicht. Es ist ja nicht so, dass wir wie damals schimmeliges Brot essen müssen. Und die haben auf dem Land auch nicht genug zu essen. Die Margot hat immer erzählt, das bisschen, was sie mitgebracht hat, hätte sie heimlich bei Seite schaffen müssen, weil es bei denen auch schlecht aussieht.“

Als ihre Mutter sie nur böse ansah, traten auch Josefine Tränen in die Augen. Aber es waren Tränen der Verzweiflung. Wie konnte sie sich weigern? Sie war nun mal die Einzige, die jemals die Arbeit auf einem Hof  verrichtet hatte. Außerdem hatte sie zur Zeit keine Arbeitsstelle, denn sie hatte  ihre Stelle als Putzmacherin verloren, da die alte Frau, für die sie gearbeitet hatte, den Laden dicht gemacht hatte.

Aber gerade hatte sie angefangen, wieder etwas Freude zu empfinden. Nach den langen Kriegsjahren und der harten Zeit danach, fing das Leben gerade wieder an, mehr als nur erträglich zu werden. Die Erinnerungen und die Verluste, die sie erlitten hatten, machten ihr immer noch zu schaffen, aber sie hatte Freude mit ihren Freundinnen und man konnte auch mal an etwas anderes denken, als nur zu überleben.

Sie sah ihre Mutter und ihre Tante an. Ihre Tante hatte ihren Mann verloren und war alleine mit den kleineren Kindern. Josefine hatte nicht nur ihren Lieblingsbruder verloren, ihre Mutter hatte damit auch einen Sohn verloren, er war in Russland verschollen. Josefine sah sich in der alten Küche ihrer Wohnung um, die ihre Eltern und Geschwister sich mit ihrer Tante und deren Kindern teilten. Sie hatten nur noch drei Räume, die sie bewohnen konnten, denn der Rest des Hauses war unbewohnbar, da ein Teil des Hauses zerbombt war. Sie konnten froh sein, dass das Haus nicht komplett zusammengefallen war, sondern nur zur Hälfte. Aber vielleicht tat es das ja noch irgendwann.

Nein, wie konnte sie sich weigern, zu helfen. Sie war nicht die Einzige, die es schwer hatte, nur eine von Millionen. „Also gut“, seufzte sie schweren Herzens, „wann soll ich fahren?“

Freitag, 5. April 2013

Leserunde bei Lovelybooks

Gestern hat die Bewerbungsfrist für meine Leserunde auf Lovelybooks begonnen. Zu gewinnen gibt es eine von 15 ebook-Versionen von "Ein schicksalhafter Sommer".
Die Gewinner bekommen per email eine Ausgabe zugeschickt.

http://www.lovelybooks.de/autor/Daniela-Frenken/Ein-schicksalhafter-Sommer-1004205354-w/leserunde/1036320776/



Mittwoch, 3. April 2013

Hier die Inhaltsangabe für meinen neuen Roman "Ein verhängnisvoller Winter" . Erscheinungstermin Juni 2013



Niederrhein 1949

 

Josefines trübe Stimmung scheint sich langsam zu bessern, als das Leben in der Großstadt langsam wieder Freude und Normalität zu bieten hat. Doch dann wird sie zur Unterstützung von Verwandten aufs Land geschickt.

Die Einsamkeit auf dem Land lässt Josefine verzweifeln, doch bald schon sind ihre traurigen Gedanken ihre geringste Sorge. Als immer mehr Leute aus ihrem Umfeld bei merkwürdigen Unfällen zu Tode kommen, beschleicht Josefine ein schrecklicher Verdacht. Zusammen mit dem nichtsnutzigen Richard beginnt sie, Nachforschungen anzustellen.
Gute Bekannte sind nicht das, was sie vorgeben und Freunde zeigen schließlich ihr wahres Gesicht. Josefine muss erkennen, dass sie mit ihren Vorstellungen von Moral, Gerechtigkeit und Gut und Böse ziemlich allein dasteht und sie vielleicht doch nicht auf alles die richtige Antwort hat. Bald läuft sie nicht nur Gefahr, ihren Glauben an alles, wofür sie bisher eingestanden hat, zu verlieren, sondern auch ihr Leben